DenkWelten e.V.



Das Museum

Das DenkWelten-Museum befindet sich derzeit im Aufbau. Der Fortschritt bei der Planung und Erstellung der Exponate und der Museographie wird in erster Linie von den knappen personellen und finanziellen Ressourcen bestimmt. Als erster Schritt hin zum Deutschen Museum für Philosophie soll möglichst bald eine Pilotausstellung mit sechs Exponaten stattfinden, wahrscheinlich entweder in Frankfurt am Main oder in Marburg.

Konzept

Die Grundidee von DenkWelten ist es, ein Philosophie-Museum zu schaffen, nicht ein Philosophen-Museum. Es soll philosophische Ideen veranschaulichen, mit Exponaten, die verwundern, die einen künstlerischen Eigenwert haben und gegebenenfalls auch interaktiv sein können. Sämtliche Exponate sollen fachwissenschaftlich kompetent präsentiert und dokumentiert sein, so dass einerseits philosophische Laien die Ausstellung genießen und sich durch sie zum Denken anregen lassen können, andererseits aber auch Vorgebildete sich nicht über unzulässige Vereinfachungen ärgern müssen.

Im Endzustand soll die Ausstellung ihre grobe Ordnung dadurch erhalten, dass jeder Ausstellungsraum beziehungsweise jeder Komplex von Exponaten einerseits einen chronologischen, andererseits einen thematischen Schwerpunkt hat und unter dem Namen eines bekannten deutschsprachigen Philosophen stehen soll; der »Kant-Raum« würde sich insofern schwerpunktmäßig mit der Epoche der Aufklärung sowie Themen des Idealismus beschäftigen, ohne darauf eng beschränkt zu sein. Das Museum soll natürlich auch nicht-deutschsprachigen Philosophen Raum bieten: die »großen Namen« dienen als ein System von »Aufhängern«.

Exponate

Im Folgenden werden einige der für die Pilotausstellung vorgesehenen Exponate kurz beschrieben.

Cassirer: Der Apfel im Spektrum der symbolischen Formen

Vignette Cassirer (vier Vitrinen)Sprache, Mythos, Religion, Kunst, Wissenschaft und Geschichte, je nach betrachteter Quelle auch Ethik, Recht und Technik, sind grundlegende, nicht aufeinander reduzierbare Weisen des Tuns und Erlebens: symbolische Formen. Die auf diesem Konzept beruhende Kulturphilosophie Ernst Cassirers gehört zu den wichtigsten philosophischen Großtheorien des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Installation besteht aus verschiedenen symbolischen Formen zugeordneten Vitrinen, die alle an dasselbe stiftende »sinnliche Zeichen« anknüpfen: einen Apfel. (mehr...)

Status: im Bau; als Fotomontage mit vier von sechs Vitrinen realisiert

Frege: Der Morgenstern ist der Abendstern

Vignette FregeGottlob Frege ist einer der wichtigsten Logiker aller Zeiten und der Vater der analytischen Philosophie. Eine Grundlage seines Sprachverständnisses ist der Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung: die Bedeutung eines Zeichen ist das, was es bezeichnet, der Sinn jedoch die »Art des Gegebenseins« des Bezeichneten. So haben die Ausdrücke »Morgenstern« und »Abendstern« dieselbe Bedeutung (den Planeten Venus), aber unterschiedlichen Sinn. Unser Exponat verdeutlicht dies mit Hilfe eines Schaukastens, der ein zweigeteiltes Stadtdiorama enthält: je nachdem, von welcher Seite man einblickt, sieht man die Stadt in der Morgen- oder in der Abenddämmerung. Von beiden Seiten ist derselbe Himmelskörper zu sehen, einmal als Abend-, einmal als Morgenstern.

Status: im Bau (Entwurfsskizze siehe Bild)


Wittgenstein I: Die Welt ist alles, was der Fall ist

Vignette Wittgenstein IDie Vorstellung, dass sich die Welt vollständig durch das Nebeneinanderstellen von Aussagesätzen beschreiben lasse, die angeben, was »der Fall ist«, gehört zu den einflussreichsten der modernen Philosophie und ist eng verbunden mit Ludwig Wittgensteins frühem Hauptwerk, dem Tractatus logico-philosophicus. Die Installation nimmt diese Vorstellung auf: sie präsentiert einen möblierten Raum, reduziert auf weiße Flächen und Quader, die lückenlos mit Aussagesätzen bedruckt sind.

Status: fertig entworfen und als Modell realisiert

Kant: Universalisierbarkeit von Handlungsregeln

Vignette KantIn vielen ethischen Theorien, deren berühmteste die Kants ist, ist das Hauptkriterium dafür, ob Handlungen wünschenswert sind oder nicht, ihre Universalisierbarkeit: Nur wenn es sich widerspruchsfrei denken lässt, dass nicht nur eines oder viele, sondern ausnahmslos alle handelnden Subjekte sich an eine bestimmte Regel halten, kann man diese gutheißen. Das Exponat ist ein interaktiver Film: Ein Druck auf einen Knopf lässt zwei Gruppen von Menschen in entgegengesetzter Richtung einen Platz überqueren. Vorher kann über einen Auswahlschalter eine Strategie gewählt werden, die die Akteure anwenden, um mit Entgegenkommenden umzugehen. Wie universell die jeweilige Regel anwendbar ist oder nicht, wird sofort sichtbar.

Status: fertig konzipiert, Film muss noch gedreht werden

Heidegger: Zeugzusammenhänge

Für Martin Heidegger besteht die Lebenswelt des Menschen unter anderem aus »Zeug«, das heißt, aus Gegenständen, die zu gebrauchen sind, um bestimmte Zwecke zu erfüllen. Dabei steht alles Zeug untereinander in Verbindung dadurch, dass Dinge aufeinander verweisen: der Nagel auf den Hammer, mit den man ihn einschlägt, das Kreuz an der Wand auf den Nagel, der dort eingeschlagen werden soll, der Bleistift auf das Kreuz an der Wand, das mit ihm gezeichnet wurde und so weiter. Die Installation zeigt eine alltägliche Anordnung von Gegenständen, wobei die Zeugzusammenhänge durch rote Fäden nachgezeichnet sind.

Status: fertig entworfen und als Teilmodell realisiert